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Er zog aus um reich zu sein
„Einst, wenn ich gross bin, werde ich reich. Ungeheuer reich!“ Der Schwur wollte nicht recht passen zu dem Knaben, der ihn ausstiess. Da stand er... Schlecht sitzende Schuhe, abgetragene Hosen. Auf dem Weg zur Schule hatte er seine Anmeldung für das Klassenlager aus dem Umschlag gezogen und durchgelesen. Und da sah er es, dieses Kästchen, das seine Eltern angekreuzt hatten: „Ersuchen um eine Subvention.“
Der Knabe schämte sich. Ins Klassenlager mit Hilfe der Behörde? Die Freude war ihm vergangen. Zuhause erzählte er dem Vater von seinem Entschluss, sich ein Vermögen zu erkämpfen. Der Vater hörte ihn an und dachte nach. - Er selber war der uneheliche Sohn eines reichen Industriellen, der sich ein hübsches Mädchen als Mätresse gehalten hatte. Zu mehr als einer Coiffeurlehre hatte er allerdings nie die Chance erhalten. Und als er die beendet hatte, war der Krieg ausgebrochen. Die meisten Leute schnitten sich die Haare selber; also war er Hilfsarbeiter geworden und führte seinen Coiffeurberuf als nötigen Nebenerwerb aus. Er hatte geheiratet und fünf Kinder bekommen. Fünf Söhne. Das Auskommen reichte zum Leben, aber es war knapp. Zu knapp für Dinge wie ein Auto oder Ferien am Meer. Er konnte seinen Sohn verstehen, den dritten in der Reihe, der sich schämte, ständig in Kleidern und Schuhen gehen zu müssen, die schon seine zwei älteren Brüder getragen hatten. - „Mach das“, sagte er zu seinem Sohn. „Ich finde es gut.“
Senkrechtstarter
Der Knabe hiess Kurt Bühlmann. Mit 26 zog er in die Westschweiz und gründete – zusammen mit einem seiner Brüder – eine eigene Firma, mit 28 besass er seine erste Million. Der Werbe- und Marketingfachmann hatte in der Baubranche ein Betätigungsfeld gefunden, in dem er sich bald bewegte wie ein Hecht im Karpfenteich. Der Gipser- und Malerfirma gliederte er bald eine Hochbaufirma unter dem Namen „Bühlmann frères SA“ sowie eine Spezialfirma für Betonsanierungen an.
Ein Generalunternehmen und eine Immobilienverwaltung rundeten die Gruppe ab. Zum Firmensitz in Nyon kamen Filialen in Genf, Lausanne und Martigny im Wallis. Kurt Bühlmann hielt nicht nur die Aktienmehrheit in Händen, sondern war auch Verwaltungsratspräsident und Generaldirektor in Personalunion. Als Privatmann stieg er zusätzlich noch in Immobilienspekulationen ein und riskierte Deals in zweistelliger Millionenhöhe. Damit erzielte er nicht nur erhebliche Gewinne, sondern speiste seine Firmengruppe ununterbrochen mit neuen Bauaufträgen. Das System hatte Methode, die Kasse klingelte. Bühlmann verdiente als Promoter, als Generalunternehmer, als Baumeister und als Immobilienhändler. Sein Privatvermögen stieg. Fünf Millionen, zehn, fünfundzwanzig ...
Seine zwei Tonnen Wasser verdrängende Yacht auf dem Genfersee musste einem Neuntönner weichen, dieser einem Zwölftönner. Beim Bau eines neuen Firmensitzes liess er gleich noch einen klimatisierten Weinkeller anlegen. Fassungsvermögen 100’000 Flaschen. Ausgesuchte Bordeaux-Jahrgänge von Chateau Lafite-Rothschild, Margaux oder Mouton-Rothschild usw. wurden palettweise eingekauft, die Rechnungen waren nicht selten sechsstellig.
Bis an die Spitze
Allmählich wurde es im Establishment interessant, jenen Kopf kennen zu lernen, der in fünfzehn Jahren eine Zwei-Mann-Bude zu einer 300-Personen-Firmengruppe hochgebracht hatte. Man lud ihn ein bis in höchste Financiers-Kreise. Für einen freundschaftlichen Golfausflug im Privathelikopter nach Monte Carlo revanchierte sich Bühlmann mit einer Weindegustation. Keiner gewöhnlichen natürlich. Inmitten seines mit schwarzem brasilianischen Granit getäferten Degustationsraumes warteten ausgesuchte, seltene Tropfen im Wert von mehreren Tausend Franken die Flasche.
„Jeden Tag ein neuer Kunde, ein neuer Bauplatz, ein neuer Erfolg.“ Mit diesem Slogan heizte Bühlmann nicht etwa Mitarbeitern hinter verschlossenen Bürotüren ein, sondern warb damit offen in einem professionellen Film um Bauprojekte jeder Art und Grösse. Die Konkurrenten bekamen die Härte des Newcomers empfindlich zu spüren. Nicht nur auf dem Markt, auch im persönlichen Umgang. „Dort ist die Tür!“ beendete er einmal das Treffen mit einem Geschäftsführer aus der Branche. „Sie haben zehn Sekunden Zeit für Ihren Abgang.“ Jedes Jahr, wenn die „Bilanz“ von neuem die 250 reichsten Schweizer publizierte, ärgerte sich Bühlmann über gewisse „fils à papa“, wie er sie nannte. Nur durch erben waren sie gross geworden; schon in die Wiege hatten sie ein weit verzweigtes Beziehungsnetz gelegt bekommen. Doch er, der Sohn eines Hilfsarbeiters, der sich alles erst erkämpfen musste, er würde sie einholen, kurz hallo sagen und dann hinter sich lassen. Unwiederbringlich. Und zwar lieber schon morgen als übermorgen.
Das Imperium bröckelt
1989 erliess der Bundesrat den dringlichen Bundesbeschluss gegen die Immobilienspekulation. Damit war es über Nacht verboten, Häuser weiter zu verkaufen, die nicht mindestens fünf Jahre im eigenen Besitz gewesen waren. Diese gesetzliche Regelung traf den Lebensnerv des Immobilien-Promoters Bühlmann. Die Banken, die ihm zuletzt Bauprojekte zu über 100 Prozent finanziert hatten, schätzten bestehende Liegenschaften neu ein und korrigierten deren Werte massiv nach unten. Die Hypothekarzinsen wurden drastisch erhöht, die Bezugslimiten auf bestehende Baukredite gesenkt oder kurzerhand annuliert. Bühlmann konnte seine teuren fertig gestellten Häuser nicht mehr verkaufen, und weil der Wohnungsmarkt einbrach, liess sich der Schock auch nicht über Vermietungen auffangen. Die eigenen Baufirmen, denen die Aufträge aus Bühlmanns Promoter-Tätigkeit empfindlich zu fehlen begannen, gerieten in Zahlungsschwierigkeiten, die Zinsen liefen auf.
Während sein Firmennetz um ihn herum zu bröckeln begann, lernte Kurt Bühlmann einen Geschäftspartner kennen, der Land zum Bau einer Kirche gekauft hatte. Dieser Mann hiess Otto Ringli. Er klopfte nicht einfach Bibelsprüche, sondern konnte auf gezielte Fragen Bühlmanns sein wirtschaftliches Handeln mit biblischen Beispielen begründen. Das imponierte dem Tatmenschen Bühlmann. Ringli schenkte ihm eine Bibel. „Prüf, was da drin steht“, sagte er. „Wenn es nicht funktioniert, dann schmeiss ich das Buch weg“, antwortete der Beschenkte. „Abgemacht.“
"Ein Privatkonkurs wäre das Einfachste"
Die Schwierigkeiten, gegen die Bühlmann täglich anzukämpfen hatte, waren erdrückend geworden. Im Grunde, befand er, hatte er gar keine andere Wahl, als sich auf Gott einzulassen. Und mit der gleichen Konsequenz, mit der er seiner unternehmerischen Tätigkeit nachzugehen pflegte, zögerte er nicht lange, wurde Christ und schloss sich einer Gemeinde an. „So“, dachte er, „und nun komme ich mit Gottes Hilfe aus dem Schlammassel wieder heraus und dann wird Kohle gemacht zur Ehre des Herrn.“
Die Talfahrt hielt an. Bühlmann musste, die Faust im Sack, zusehen, wie zuerst die laufenden Immobilienprojekte mittels von den Banken eingeleiteten Zwangsverkäufen zu Schleuderpreisen verkauft wurden und schlussendlich sogar seine Firmen. Und noch immer liefen Betreibungen bei ihm ein. Seine Schulden bezifferten sich schliesslich auf Dutzende von Millionen. In seiner Ehe begann es zu kriseln. Der Vater starb, unter den Brüdern machte man Kurt Bühlmanns Grössenwahn für den Firmenzusammenbruch verantwortlich. Drei Bankdirektoren rieten ihm unabhängig voneinander, er solle doch Privatkonkurs anmelden, das wäre in seiner Situation das Einfachste.
Bühlmann warf die Bibel nicht fort. Irgendetwas in ihm war anders geworden – er hatte in sich eine unerklärliche Gewissheit, dass Gott ihn nicht fallen lassen würde. Anders als mancher seiner früheren Geschäftspartner blieb er kerngesund, selbstbewusst, wurde nicht depressiv, griff nicht zum Alkohol. Und er fand den Punch, zugedeckt von Schulden, eine neue Beratungsfirma zu gründen.
Der Schuldner vor dem Bank-Vizedirektor
Aber die Schuldenlast blieb. Eine Bank eröffnete ein Betreibungsverfahren für ein Immobiliengeschäft, in das Bühlmann mit sechs Partnern involviert war. Es bestand Solidarhaftung. Jeder der Beteiligte schwebte damit in der Gefahr einer Zwangsvollstreckung. Und die war schon nach einer Frist von zehn Tagen möglich. Bühlmann hing in dieser Sache drin mit Verbindlichkeiten in Höhe von über 14 Millionen. Längst hatte er kein Geld mehr. Es gab nur eine Möglichkeit, die Zahlung aufzuschieben: Rechtsvorschlag zu erheben. Das bedeutete, auf juristischem Weg die Gültigkeit der Schulden anzugreifen. Bühlmann gefiel dieser Ausweg nicht. Wie sollte er eine finanzielle Verschuldung bestreiten, die er offensichtlich eingegangen war?
Eine Nacht verbrachte er im Leichtschlaf, am Morgen hatte er die Gewissheit erlangt, dass er keinen Rechtsvorschlag erheben solle. Prompt kam die Einladung zu einem Vizedirektor der Bank. Bühlmann ging hin, ein mulmiges Gefühl im Magen. „Sie haben als Einziger von sieben Geschäftspartnern in dieser Sache keinen Rechtsvorschlag erhoben“, begann der Vizedirektor, „warum nicht?“
Bühlmann fing an zu erklären, er sei keineswegs übergeschnappt. Er wisse wohl, dass er sich damit der Bank in die Hände spiele. Aber er hätte durch alle Schwierigkeiten hindurch zu Gott gefunden. Er könne es weder mit seinem Gewissen, noch mit seinem Glauben vereinbaren, eine finanzielle Schuld abzustreiten, von der er selber genau wisse, dass sie zu Recht bestehe. Der Mann sah ihn an: „Sie sind in meinem ganzen Leben der erste Immobilienspekulant, der nicht nach Ausreden sucht. Ihre Geschäftspartner haben alle Rechtsvorschlag erhoben, Sie nicht. Deshalb werde ich Sie in dieser Sache nicht weiter behelligen. Aber Ihren Partnern setzen wir jetzt den Hebel an.“
Vier Jahre vergingen. Kurt Bühlmann erhielt die Vorladung auf ein Notariat. Vertreter der Bank waren anwesend, ebenso seine sechs ehemaligen Partner. Er sollte nur noch seine Unterschrift unter einige Dokumente setzen, und er wäre frei von 14 Millionen Franken Solidar-Schulden. „Das ist doch kein gutes Zeugnis“, dachte er bei sich. „Sie sollen zahlen, und ich, der Christ, ich komme ungeschoren weg.“ Und er weigerte sich, die Dokumente zu unterschreiben. „Nun mach schon“, sagten ihm sogar seine Partner, „die Sache ist für uns absolut okay.“ Beim anschliessenden gemeinsamen Essen kam es aus: Die Bank hatte ein Arrangement gefunden, dass sämtliche sechs Partner nicht benachteiligte und Bühlmann trotzdem aus seinen Verpflichtungen entliess.
Comeback?
Viele wunderbare Erlebnisse durfte Kurt Bühlmann mit „seinem Gott“ erleben. Aber auch Tiefschläge kamen reihenweise auf ihn zu: die 25jährige Ehe ging in Brüche, weitere Bankforderungen (nach der Bibel verbotene Solidarkredite!) aus Immobiliengeschäften kamen nach dem Tod von ehemaligen Immobilien-Partnern auf ihn zu. Der Schuldenabbau verlangsamte sich, zog sich hinaus. Bühlmann erlebte die biblische Wahrheit, dass „der Mensch ernten muss, was er gesät hat“. Er war sich aber klar bewusst, dass Murren die Leidenszeit weder verkürzen noch verhindern konnte. „Ich kam mir vor wie das israelische Volk in der Wüste. Gott sei Dank dauerte es nicht vierzig Jahre!“. Im Jahre 2002 durfte er sich mit einer „Frau Gottes“ und dem Segen seiner Gemeinde in eine neue, auf dem Felsen von Jesus fundierte Ehe, wagen und eine neue Existenz aufbauen. Von seiner Frau Lis sagt er: „Lis ist eine wunderbare Frau Gottes, ein wahrer Segen für mich“.
Kurt hat sein Büro im Hauptsitz der christlichen Stiftung „Innov.ch“ (für „christliche Innovation“ www.innov.ch)in Aubonne, welcher er als Präsident vorsteht. Gegen 15 Organisationen und Kleinunternehmen sind dort, sowie in einer kürzlich neueröffneten Zweigstelle in Lausanne, synergiemässig vernetzt und fast jedes Jahr entsteht ein neues Kleinunternehmen, „gecoacht“ auf der Basis von biblischen Geschäftsprinzipien.
Gemeinsam mit seiner Frau Lis dienen sie ihrem grossen Gott in Zusammenarbeit mit Crown-Ministries Schweiz (www.crownlife.ch). Jährlich führen sie in der ganzen Schweiz sowie in Frankreich bis zehn sechstätige Seminare über biblische Finanzprinzipien durch. Die Nachfrage ist steigend. Kurt ist ebenfalls ein gefragter Konferenzsprecher in ganz Europa. Kürzlich bereisten sie zusammen Südafrika mit Konferenzeinsätzen in fünf grossen Städten. Kurt meint: „Ich glaube unser grosser Gott hat noch einige Pläne mit uns zwei!“.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus: Christliches Zeugnis 2000/4 Begegnung mit Jesus, Campus für Christus Schweiz (sg)




